Marianne Kahnlein

Marianne Kahnlein

Marianne Kahnlein, geb. Wildberg, wurde am 03.08.1877 als Tochter des Kaufmanns Löb Wildberg und seiner Frau Carolina, geb. Steinhäuser in Kleinbardorf geboren. Nach der Hochzeit im April 1907 zog Marianne zu ihrem Mann Moses (später Moritz genannt), geb. am 14.12.1877 in Reyersbach, in dessen Wohnort. Mit ihm hatte sie die Söhne Albert (geb. 04.11.1908) und Siegfried (geb. 16.09.1912).

 

Bis zum Jahre 1907 war ihr Mann Viehhändler und Metzger im elterlichen Geschäft, danach selbständiger Viehhändler. Ungefähr 1930 übernahm er in Oberelsbach die Eisenwarenhandlung des gebürtigen Weisbachers Markus Lichtstern, weshalb die Familie nach Oberelsbach umzog und in der Hausnummer 192 wohnte. Im Jahre 1937 wurde Juden der Viehhandel verboten. Zum 1. Januar 1938 musste er deshalb die Viehhandlung und zum 1. Dezember 1938 auch die Eisenwarenhandlung abmelden, denn mittlerweile war zusätzlich verfügt, dass zum 31. Dezember 1938 alle jüdischen Gewerbebetriebe abzumelden seien.

 

In der Pogromnacht wurden die Schaufensterscheiben ihres Hauses eingeschlagen und im Inneren Gegenstände beschädigt bzw. zerstört. Die Täter waren nicht aus Oberelsbach, sondern kamen aus Ostheim v. d. Rhön. Mariannes Mann Moritz wurde zusammen mit dem Sohn Albert und zwei weiteren Oberelsbacher jüdischen Bürgern (Max und Samuel Silbermann) im Amtsgerichtsgefängnis Bad Neustadt a. d. S. in Schutzhaft genommen und bis 19. November 1938 eingesperrt.

 

Währenddessen waren Marianne und ihr Mann gezwungen, ihr Wohnhaus „zu verkaufen“ und zusammen mit weiteren jüdischen Oberelsbacher Bürgern im Haus von Samuel und Betty Silbermann in der „Zwangswohnung“ zu wohnen. Am 22. April 1942 kam Marianne mit ihrem Mann und zwei weiteren Oberelsbacher Jüdinnen zunächst nach Bad Neustadt a. d. S. Ein PKW der Firma Lesch aus Bad Neustadt a. d. S. holte sie ab und mit dem Zug wurden die Oberelsbacher zusammen mit weiteren 55 Juden aus dem damaligen Landkreis von Bad Neustadt nach Würzburg gebracht. Bei der Durchsuchung im Platz’schen Garten wurden ihrem Mann zehn Esslöffel und acht Kaffeelöffel, ein Messer und eine Gabel abgenommen. Drei Tage später wurden sie nach Krasniczyn deportiert und dort im Raum Lublin ermordet.[1] 

 

[1]Heimat-Jahrbuch Rhön-Grabfeld 2015, S. 196-217

      Chronik des Marktes Oberelsbach 2012 S. 321-333

      https://jufged.rotraud-ries.de/jg-oberelsbach/

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