Siegfried Kahnlein

Siegfried Kahnlein

Siegfried Kahnlein wurde am 16.09.1912 in Reyersbach im heutigen Landkreis Rhön-Grabfeld geboren. Seine Eltern waren Moritz und Marianne Kahnlein, geb. Wildberg, der Vater war Vieh- und Eisenwarenhändler. Um 1930 zog die Familie nach Oberelsbach. Bereits 1935 planten Siegfried und sein Bruder Albert nach Argentinien auszuwandern, um dort in einer „ICA-Siedlung“ (Jewish Colonization Association) zu leben, woraus allerdings nichts wurde.[1]

 

Im Jahr 1937 waren auch die Kahnleins gezwungen, ihre Gewerbebetriebe abzumelden. Deshalb kontaktierten sie den Bad Kissinger Distriktsrabbiner Max Ephraim und baten ihn bei der Suche nach Arbeit um Unterstützung. Siegfried war wie sein Bruder Albert in Bad Kissingen beschäftigt, wie auch einem Hinweis auf den Wohnort Bad Kissingen zu entnehmen ist.[2] Wo er tatsächlich gearbeitet hat ist nicht geklärt. In den Akten der Israelit. Kultusverwaltung ist vermerkt, dass er im Juni 1938 im Hotel Seelig als „Hausbursche“ angestellt war, eine andere Quelle nennt Dr. Bamberger als Arbeitgeber.[3]

 

Vor der Deportation wohnte der ledige junge Mann noch am 15. Oktober 1938 in Reyersbach, danach in Hannover (lt. Volkszählung vom 17. Mai 1939 in der Lortzingstr. 5)[4] wo er als Zwangsarbeiter bei der „Dampfwaschanstalt August Gieseler“ beschäftigt war. Auf der Deportationsliste ist als letzter Wohnort in Hannover, An der Strangriede 55, angegeben. Hierbei handelt es sich um das Gelände des jüdischen Friedhofs Hannover. Zwischen September 1941 und April 1945 dienten die Gebäude auf dem Friedhofsgelände als „Zwangswohnung“, „… in der jüdische Männer, Frauen und Kinder in unbeschreiblicher Enge vegetierten“.

 

Am 15. Dezember 1941 wurde er von Hannover nach Riga deportiert und ermordet.[5] Nur wenige Monate später wurden seine Eltern nach Krasniczyn deportiert und in der Umgebung von Lublin ebenfalls ermordet. Der ältere Bruder Albert war bereits 1940 im jüdischen Krankenhaus in Berlin gestorben.[6]

 

[1]Chronik des Marktes Oberelsbach 2012, S. 321-333

      Heimatjahrbuch Rhön-Grabfeld 2015, S. 196-217

[2]https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de892590

[3]https://www.biografisches-gedenkbuch-bk.de/datenbank/38559.Datenbank.html?detID=313. Vielen Dank an Rudolf Walter für den freundlichen Hinweis.

[4]Herzlichen Dank an Elisabeth Böhrer für den freundlichen Hinweis.

[5]https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_nwd_411215-46.html

      http://www.tenhumbergreinhard.de/1933-1945-lager-1/1933-1945-lager-h/hannover-an-der-strangriede-55.html

      Transportliste Hannover, lfd. Nr. 899.

[6]Wie Fußnote 1

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