Rosalie Haas

Rosalie Haas

Rosalie Haas, geb. Oppenheimer, wurde am 26.11.1867 in Maroldsweisach als 5. Kind des Webermeisters Emmanuel Oppenheimer und dessen Frau Fanny, geb. Gutmann, geboren.

 

Sie war mit dem Viehhändler Salomon Haas, geb. am 08. Juni 1862, aus Oberelsbach verheiratet. Das Ehepaar hatte 3 Kinder: Tochter Selma, geb. am 11. März 1893 in Oberelsbach sowie die Zwillingssöhne Karl und Hermann, geb. am 28. Juli 1895, ebenfalls in Oberelsbach.

 

Ihr Ehemann Salomon verstarb am 17. Januar 1932 in Oberelsbach und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Neustädtles beigesetzt.[1]

 

Ihr Sohn Karl lebte mit seiner Frau Hella, geb. Schneider, am 05.05.1910, in Essen;

sie wurden am 22. April 1942 von Düsseldorf nach Izbica deportiert.

 

Hermann erlernte nach dem Schulbesuch den Beruf des Metzgers. Er musste, wie sein Zwillingsbruder, am 1. Weltkrieg teilnehmen. Der Eintritt erfolgte am 19. Juli 1915 und er wurde – wohl aufgrund seines Berufes – im Januar 1916 dem bayer. Pferdelazarett 11 zugeordnet. In der Schlacht bei Verdun vom 4. März bis 18. April 1916 war er ebenso eingesetzt wie bei intensiven Kämpfen vom 17. Juni bis 10. Juli 1916. Am 25. Oktober 1918 kam er zu einer Krankensammelstelle und wurde bereits am 7. November einer neuen Abteilung zugeordnet. Als Auszeichnung erhielt er das Eiserne Kreuz II. Klasse.
 Hermann zog am 10. Juli 1925 von Oberelsbach nach Neustadt a. d. S. und wohnte ab April 1926 in der Haus Nr. 188 (= Schuhmarktstr. 5). Am 29. Juni 1925 heiratete er in Gersfeld seine Frau Selma, eine geborene Goldner (geb. 14.05.1902 Gersfeld). Das Paar kaufte laut Vertrag vom 19. April 1926 zu je ½ Miteigentum von Sigmund Franken und Erben das Anwesen in der Schuhmarktstr. 5, in dem sie bis zu ihrer Deportation wohnten. Ihr gemeinsamer Sohn Albert wurde am 1. August des gleichen Jahres geboren. Hermann Haas betrieb einen Viehhandel, den er am 15. Dezember 1938 abmelden musste. Das Grundstück mit dem Wohnhaus wurde laut Vertrag vom 9. Juni 1939 an die Villsche Altenstiftung verkauft. Sohn Albert ging am 20. April 1941 von Bad Neustadt nach München, um dort das IKG Lehrlingsheim in der Hohenzollernstr. 4 zu besuchen. Sein Arbeitsbuch wurde in München ausgestellt und wies ihn als Schlosserlehrling aus. Von dort kam er Anfang November 1941 wieder nach Neustadt ins Elternhaus zurück.

 

Die Familie kam mit weiteren 42 Neustädtern, und vielen anderen aus der Region, darunter auch die zuletzt in Oberelsbach wohnhafte Schwester Selma, am 22. April 1942 nach Würzburg. Bei der Durchsuchung im Platz’schen Garten wurden ihnen 3 Löffel abgenommen. Drei Tage später, am 25. April, erfolgte die Deportation nach Krasniczyn. Sie wurden im Raum Lublin ermordet. Ein exaktes Todesdatum ist nicht bekannt. Hermann Haas, seine Frau Selma und der Sohn Albert wurden durch Beschluss des Amtsgerichts Bad Neustadt vom 20. Oktober 1953 für tot erklärt.[2]

 

Nach Salomons Tod wohnten Rosalie und die Tochter Selma zusammen in der Hausnummer 183. Aufgrund der „Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens vom 03.12.1938“ waren „…jüdische Hauseigentümer verpflichtet, ihre Immobilien…. zu verkaufen“. Doch auch danach ließen die neuen Eigentümer Rosalie und Selma Haas mit ihnen im Haus bleiben und unter dem Dach wohnen. Alle anderen jüdischen Mitbürger waren zu der Zeit bereits alle in der „Zwangswohnung“ untergebracht und zwar in dem Haus, das Samuel Silbermann (Hausnummer 220) gehört hatte. Anfang 1942 jedoch zwang sie der damalige Bürgermeister dazu, das Haus zu verlassen; Rosalie und Selma mussten ebenfalls in die Hausnummer 230, in die „Zwangswohnung“, ziehen.

 

Am 22. April 1942 wurde die Tochter Selma zusammen mit Marianne und Moritz Kahnlein sowie Betty Silbermann über Bad Neustadt und Würzburg nach Krasniczyn deportiert und dort im Raum Lublin ermordet.

 

Im Juni 1942 wurde Rosalie zusammen mit Heinrich Silbermann in das „Israelitische Kranken- und Pfründnerhaus“, Dürerstr. 20, in Würzburg eingewiesen. Am 10. September 1942 hat man sie in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie am 22. Juli 1944 verstarb.[3]

 

[1]Chronik des Marktes Oberelsbach 2012, S. 321-333

      Heimat-Jahrbuch Rhön-Grabfeld 2015, S. 196-217

[2]Herzlichen Dank an Elisabeth Böhrer für diese Informationen

[3]Wie Fußnote 1

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