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Zwei Betriebe, zwei Entwicklungen – eine gemeinsame Lösung


Zwei Betriebe, zwei Entwicklungen – eine gemeinsame Lösung
Bauhof und Schreinerei tauschen Betriebsgebäude
Wenn dieser Tage am kommunalen Bauhof Kartons gepackt, Werkzeuge verladen werden und Maschinen ihren Standort wechseln, dann endet eine fast 40-jährige Geschichte. Nur wenige Schritte entfernt wird ebenfalls geräumt: Auch die BS Schreinerei von Steffen Barthelmes räumt ihre Werkstatt. Bauhof und Schreinerei tauschen ihre Betriebsgebäude. Was auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher Umzug wirkt, ist das Ergebnis vieler Gespräche, unterschiedlicher Herausforderungen – und einer Lösung, von der beide Seiten profitieren.

Investieren und zentralisieren: Der kommunale Bauhof
1988 erwarb die Gemeinde die heutige Bauhofhalle im Tausch gegen den ehemaligen Bullenstall, in dem heute die VR-Bank untergebracht ist. „Unser Bauhofsgebäude ist in die Jahre gekommen. Nach der Fassadensanierung im Jahr 2001 würden nun umfangreiche Investitionen, wie beispielsweise eine energetische Modernisierung, anstehen“, erzählt Bürgermeister Björn Denner. Darüber hinaus haben sich in den vergangenen 40 Jahren die Aufgaben des Bauhofs stetig erweitert – und mit ihnen die Anforderungen an das Betriebsgebäude. „Fahrzeuge, Maschinen und Material waren letztlich auf verschiedene Liegenschaften verteilt, was Wege unnötig verlängert und die tägliche Arbeit erschwert“, so Denner.
Unweit des kommunalen Bauhofs ist die BS Schreinerei von Steffen Barthelmes zu finden. „Als unmittelbarer Nachbar kennt man sich gut. Immer wieder habe ich mir gedacht, dass der Bauhof ziemlich beengt arbeitet“, sagt er. Doch während die Gemeinde mehr Freiraum benötigte, stellte sich in seinem eigenen Betrieb eine ganz andere Frage. 

Wenn Bürokratie den Werkstattalltag verändert
Noch vor wenigen Jahren wäre der nächste logische Schritt eine Betriebserweiterung gewesen – mehr Mitarbeiter, mehr Fläche, mehr Kapazität. Heute sieht Steffen Barthelmes die Situation anders.
„Die eigentliche Arbeit am Werkstück wird zunehmend von bürokratischen Anforderungen überlagert.“ Er berichtet von Dokumentationspflichten, Nachweisen, Vorschriften und einer Vielzahl verpflichtender Unterweisungen. Nicht nur für neue Tätigkeiten, sondern auch für Arbeiten, die seit Jahrzehnten zum Berufsalltag gehören. Damit erfahrene Mitarbeiter bestimmte Arbeiten weiterhin ausführen dürfen, müssen regelmäßig Schulungen organisiert und dokumentiert werden – etwa für die sichere Nutzung von Leitern oder Maschinen. 
Für den Schreinermeister stehen diese Beispiele stellvertretend für eine Entwicklung, die viele kleine Handwerksbetriebe beschäftigt: Der organisatorische Aufwand nimmt stetig zu, während die Zeit für das eigentliche Handwerk immer knapper wird. „Das kostet Zeit, Kraft und am Ende auch Nerven.“
Viele Kunden bekämen diese Arbeit gar nicht mit. Stunden im Büro, statt an der Hobelbank. Schulungen statt Werkstatt. Für einen kleinen Handwerksbetrieb bedeute das eine enorme zusätzliche Belastung, der organisatorische Aufwand werde immer größer.
„Als Betriebsinhaber trägt man Verantwortung – für die Mitarbeiter, für deren Sicherheit, für den Betrieb. Das beschäftigt einen oft bis spät in die Nacht.“
Deshalb traf der Schreinermeister eine Entscheidung, die ihm nicht leichtfiel: Statt weiter zu wachsen, wird der Betrieb bewusst kleiner. Damit wird gleichzeitig auch das bisherige Betriebsgebäude zu groß – sowohl im Unterhalt als auch für den tatsächlichen Bedarf.

Ein Gebäudetausch, von dem beide profitieren
Aus zwei unterschiedlichen Entwicklungen entstand schließlich eine gemeinsame Idee.
Im Winter 2025 fanden die ersten Gespräche zwischen Bürgermeister Björn Denner und Schreinermeister Steffen Barthelmes statt. Schnell wurde deutlich, dass beide Seiten genau das suchten, was die jeweils andere künftig nicht mehr benötigte. Aus ersten Überlegungen entwickelte sich Schritt für Schritt ein konkretes Konzept. 
Fast vierzig Jahre nach dem Tausch des ehemaligen Bullenstalls gegen die Dreschhalle wird in Oberelsbach erneut das Gebäude für den Bauhof getauscht – diesmal zwischen Gemeinde und Schreinerei.
Der kommunale Bauhof zieht auf das bisherige Betriebsgelände der Schreinerei Barthelmes. Dort steht künftig deutlich mehr Fläche zur Verfügung. Fahrzeuge, Geräte und Material können an einem zentralen Standort untergebracht werden. Die beheizte Halle schützt Maschinen und Fahrzeuge in den Wintermonaten, Materialien können trocken gelagert werden. Eine Photovoltaikanlage verbessert zudem die Energieversorgung.
„Für unseren Bauhof ist das eine Investition in die Zukunft“, sagt Bürgermeister Denner. „Unsere Mitarbeiter erhalten modernere Arbeitsbedingungen, die Abläufe werden effizienter und wir schaffen die Voraussetzungen dafür, den Bauhof langfristig leistungsfähig aufzustellen.“
Die Schreinerei wiederum zieht auf das bisherige Bauhofgelände – in ein Gebäude, das deutlich besser zu den künftigen Anforderungen des verkleinerten Betriebs passt und wirtschaftlicher betrieben werden kann. Beide Seiten sprechen deshalb von einer echten Win-win-Situation.

Gut zu wissen
Für die Bürgerinnen und Bürger ändert sich nichts: Der Jugendraum auf dem bisherigen Bauhofgelände bleibt erhalten. Auch die Sammelstellen für Altpapier und Altglas stehen weiterhin wie gewohnt zur Verfügung.

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